Der Tag startete schon mal gut mit relativ warmem Wetter und einer netten Dame an der Anmeldung. Es hat schon Vorteile, außerhalb der Saison Urlaub zu machen. So konnten wir zu einem vergünstigten Tarif nächtigen und trotz dem wir uns eine Site mit Wasser und Strom zum Akku laden ausgesucht hatten, mussten wir nur für eine primitive Campsite bezahlen. Internet gab es auch, allerdings nur in einer extra Hütte. Diese war dafür mit allem ausgestattet, was man so zur Ablenkung benötigt: Spiele, einem Billard-Tisch, bequeme Sofas und nicht zu vergessen einem riesigen Flachbildfernseher. Aber es gab viel zu sehen und so wurden nur kurz Mails gecheckt und los ging's mit dem Auto.
Unser erstes Ziel war wie üblich ein Visitor Center, um uns mit aktuellen Informationen zu Trails und Points of Interest zu versorgen. Zunächst fanden wir nur das unscheinbare Visitor Center der Stadt Eastham, welches aber mit dem Ende der Saison schon zu gemacht hatte. Mit einigen kostenlosen Karten ausgerüstet (die immerhin den Hinweis "not scaled" trugen ;), fanden wir dann aber auch das "Salt Pond Visitor Center" des Nationalparks. Dort wurden wir auch gleich von einem Ranger angesprochen und mit ausreichend Karten- und Wegematerial ausgestattet.
Vom Visitor Center ging auch gleich einer der Wanderwege los und so packten wir nur das Nötigste zusammen und machten uns auf den Weg. Der "Nauset Marsh Trail" führte uns gleich zu dem direkt hinter dem Visitor Center gelegenen Salz Marsch, eine von hohem Gras bedeckte Wasserlandschaft mit allerlei interessantem Getier. In der Ferne konnte man sogar schon den Ozean erkennen.
An Tieren waren vor allem unzählige Fische zu sehen, die in leicht milchigem Wasser schwammen und von der Ebbe in ihrem kleinen Teich gefangen wurden. Lustig daran war, sobald man sich auf dem vorbei führenden Steg bewegte, tauchte der gesamte Schwarm in das Wasser ab. Dann dauerte es erst einmal wieder einige Minuten, bis sich die kleinen Dinger Alle wieder an die Oberfläche getraut haben. Und es waren ganz schön viele Fische in dem bisschen Wasser. Anfangs hab ich sie sogar für an der Oberfläche treibendes Schilf oder Ähnliches gehalten.
So etwas zieht natürlich auch Jäger an und so stand auch ein Graureiher im Gras und wartete auf seine Chance... Und dazu kam dann noch ein Adler (oder etwas in der Art), der in aller Ruhe über das Gras segelte und sich dann auf einen Baum in einiger Entfernung setzte. Aber mit ein bisschen zoomen haben wir ihn auch erwischt.
Vor uns schlenderte auch noch ein älteres Pärchen den Weg entlang. Und selbiger führte direkt unter dem Baum entlang, auf dem der Adler saß. Der Mann hatte es auch schon geschafft bis fast unter den Baum zu kommen. Allerdings sollte man aus einer solch kurzen Entfernung nicht unbedingt die ganzen nutzlosen Geräusche an seiner Digitalkamera angeschaltet lassen. Viele Bilder hat er dementsprechend von dem Adler nicht schießen können...
Zurück am Auto musste erst einmal für angemessene Kleidung gesorgt werden. Irgendwie waren wir schon auf Herbst eingestellt. Allerdings lag die Temperatur bei über 20°C und die Sonne schien. Da musste natürlich die kurze Hose noch ein letztes Mal ausgepackt werden.
Die nächste Station unserer Tagestour war der "Coast Guard Beach". Dort erwartete uns schon ein im Sonnenschein leuchtendes weißes Gebäude mit aufgesetztem Leuchtturm. Irgendwie sehen die meisten Leuchttürme hier nicht so aus wie bei uns, sondern wie normale Wohnhäuser, die nachträglich noch umgebaut wurden. Natürlich warfen wir auch noch einen ersten Blick auf den Strand. Schon sehr hübsch so ein breiter Sandstrand, der sich in beiden Richtungen ins unendliche streckt und man weiß, dass man den ganzen Tag an diesem Strand entlang wandern könnte, ohne das Ende zu erreichen.
Ein Stück weiter mit dem Auto bekamen wir dann aber doch noch einen vernünftigen Leuchtturm zu Gesicht: das "Nauset Light". Wie man sich das vorstellt, mit roten und weißen Streifen...
Weiter ging es mit dem Auto zum "Marconi Beach", wo wir noch ein paar Tierchen zu Gesicht bekamen, die wir bis dahin noch vermisst haben - Seelöwen. Diese tummelten sich da nahe des Strandes im Wasser und beobachteten mit großen Interesse die vorbei spazierenden Menschen. Insbesondere, wenn man sich in Richtung Wasser bewegt hat, tauchten immer wieder an verschiedenen Flecken Köpfe mit großen Augen aus dem Wasser auf, genauestens alle Bewegungen beobachtend.
Den nächsten Stopp machten wir an der "Marconi Station Site". Von dort wurde zum ersten Mal überhaupt eine Nachricht kabellos über den Ozean nach Europa geschickt. Allerdings war von der Station nicht mehr viel zu sehen, da die riesigen Antennen des Metalles wegen im zweiten Weltkrieg demontiert wurden und der Rest dem Meer zum Opfer fiel. Die Station wurde an einer Steilküste errichtet und wie es bei derartigen Küsten üblich ist, verändert sich der Verlauf der Kante im Laufe der Zeit relativ stark.
Von der Marconi Site aus nahmen wir auch unseren nächsten Trail in Angriff - den 1,5 Meilen langen "Atlantic White Cedar Swamp Trail". Dieser führte durch ein größeres Waldgebiet mit einem sehr sumpfigen Stück, welches man über einen Holzsteg durchqueren musste. Bei voller Bewaldung im Sommer hat das sicherlich noch ein etwas anderes, urwaldmäßiges Flair. Aber auch so konnte man, mit dem richtigen Blick, einige sehr hübsche Fotos machen.
Anschließend ging es weiter zum nächsten Leuchtturm, dem "Highland-" oder auch "Cape Cod Light". Dies war allerdings etwas enttäuschend, da es nur ein etwas dreckig aussehender, weißer und unscheinbarer Leuchtturm war. Als Hauptattraktion eignet sich dieses Ding meiner Meinung nach nicht. So machten wir uns wieder auf den weg und nachdem wir unserem Auto mal wieder etwas zu schlucken gegeben hatten, ging es zu den "Pilgrim Heights", wo 1620 einige Pilgerer mit der "Mayflower" anlegten und die Halbinsel zu erkunden begannen.
Weiter ging es dann zu unserer letzten Wanderung des Tages, dem "Beach Forest Trail". Dieser führte durch bunten Wald, welcher fast vollständig auf den Sanddünen gewachsen war. Um einen Blick auf den nahenden Sonnenuntergang werfen zu können, nahmen wir auch noch einen Abstecher auf eine der Sanddünen in kauf. Und nach 15m die Düne hinauf hatten wir einen schönen Überblick über eine leicht bewachsene Sandlandschaft mit einem golden leuchtenden Himmel.
Nach einer kurzen Runde durch die Dünen, ohne einen weiteren Ausweg zu finden, nahmen wir den gleichen Weg zurück zum Trail und weiter ging es zum nördlichsten Punkt der Insel. Wie könnte es auch anders sein: Strand, soweit das Auge reichte. So konnten wir die untergehende Sonne noch einmal sehen und ein paar hübsche Bilder schießen.
Anschließend mussten wir noch ein letztes Abschiedsbild mit unserem "Kleinen" machen...
Und dann ging es weiter zum "Herring Cove Beach", wo uns noch etwas Lustiges erwartete. Eine Art Autokino zum Sonnenuntergang! Es zog sich ein etwa 700m langer Parkplatz, der nur aus einer einzigen Reihe bestand, am Strand entlang. Und zwar so ausgerichtet, dass man den Sonnenuntergang über dem Offenen Wasser direkt vor sich hatte. Von Romantik hat das natürlich nichts mehr, wenn im Sommer da Auto an Auto steht...
Da wir den Sonnenuntergang aber schon hinter uns hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz, um das Internet noch ein wenig zu nutzen. Nach dem Abendessen machten wir uns also auf in die "Spielhütte". Dummerweise war das Internet aber so lahm, dass ans Bloggen nicht zu denken war. So konnten nur noch Mails geschrieben und versendet werden und nebenbei wurde auch der Fernseher mal angemacht. Weit über zweihundert Kanäle waren zu empfangen, da kann man den ganzen Abend durchzappen, ohne einen Sender zweimal einschalten zu müssen! Haben wir aber nicht gemacht, sondern sind an einem Sender hängen geblieben, auf dem den die ganze Zeit "American Dad" und "Family Guy" liefen. Lustig, das auf englisch gucken zu können. So ging dann auch der letzte Abend in "Freiheit" schneller vorbei als gehofft...
