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Freitag, 15. Oktober 2010

Auf in den Osten

Da wir für diesen Tag "nur" Autofahren eingeplant hatten und ich (mal wieder) vor Robert wach war, hab ich mich aufgemacht zu einem kleinen Morgenspaziergang, um nicht in der Kälte herum zu stehen. Also ging es auf den nächstbesten "Hügel" direkt neben dem Campingplatz. Einen Wegweiser o.ä. habe ich nicht gesehen, aber da war ein Trampelpfad. Wie ich dann auf etwa zwei drittel des doch sehr steilen Weges feststellen konnte, muss dieser Pfad von irgendwelchen Tieren "gemacht" worden sein. Runter wollte ich aber auch nicht mehr gehen. Für diese Anstrengung wurde ich schließlich mit einem wunderbaren Sonnenaufgang belohnt.


Auch wenn mir durch die Bewegung nicht mehr kalt war, tat es gut, die wärmenden Strahlen im Gesicht zu fühlen. Im Schein der roten Sonne konnte ich auch noch einmal einen Blick auf die Hot Springs werfen und entschied mich, in diese Richtung zu laufen. War auch richtig. An der Straße angekommen habe ich nämlich einen Wegweiser gefunden, der mich direkt auf den Campingplatz führte.
Nachdem dann alles so weit war, um den großen weg in den Osten anzutreten, ging es ein letztes mal an den Hirschen im Örtchen vorbei. Da haben sich zwei Böcke von ihrer besten Seite gezeigt und sich direkt vor der einzigen Kapelle die es hier gibt duelliert.


Wer gewonnen hat? Keine Ahnung. Unser Weg war noch lang und deshalb machten wir uns weiter in Richtung Northeast Entrance des Yellowstone National Parks. Für diese Strecke haben wir natürlich auch wieder viel länger gebraucht, als das Navi ausgerechnet hatte.

Der Grund waren wieder Bisons auf der Straße und dann mussten
wir natürlich noch beobachten wie diese schwer und unbeweglich wirkenden Tiere "fröhlich spielend" über eine Wiese gesprungen und gerannt sind.


Aufgehalten wurden wir aber auch wieder von am Straßenrand stehenden Autos und Menschen. Hier gab es einen schwarzen Wolf zu sehen, der über Fluss und Wiese seines Weges ging.


Kurz vor dem Ende hat sich uns dann noch einmal ein "Vulkan" bei wirklich schönem Wetter präsentiert.


Der Weg in Richtung Interstate 90 führte uns dann durch eine wirklich fantastische Landschaft hinauf zum 8046 Fuß Meter hohen Dead Indian Pass, wo wir uns vor echt mutigen Streifenhörnchen in Acht nehmen mussten.

Die hatten keine Scheu und wenn man nicht darauf geachtet hätte, wären die einem sicherlich auch die Hose nach oben geklettert. Nachdem wir die Aussicht genug genossen hatten ging es weiter.

Kurz nach dem Berg hat sich vor uns eine große weite Ebene geöffnet, die neben Viehzucht auch landwirtschaftlich genutzt wurde. An diesem Tag war scheinbar Rübenernte angesagt. Und in dieser idyllischen Gegend haben wir einen Ort entdeckt, der gerade mal zehn Einwohner hatte.


Danach waren am Horizont auf einmal mit Schnee bedeckte Berge zu sehen.


Auf unserem nächsten Pass, dem 9666 Fuß hohen Powder River Pass, war es nur sehr frisch, Schnee gab es keinen. Aber Dafür einen atemberaubenden Ausblick bei Sonnenuntergang.


Als die Nacht weiter voran geschritten war und wir auf der rausgesuchten Rest Area nicht nächtigen durften, haben wir uns zum Schlafen hinter einen parkenden LKW bei einer Historical Landmark kurz vor der Grenze zu South Dakota niedergelassen.
Am nächsten Morgen ging es vor dem Frühstück ein Stück weiter um einen vernünftigen Rastplatz zu finden. Angehalten haben wir dann auf dem Parkplatz des Visitor Centers der Jewel Cave. Nach einer ausreichenden
Stärkung stand der Entschluss fest, hier nicht weg zu fahren ohne zuvor einen Blick in die Höhle geworfen zu haben.
Dies war jedoch nicht auf eigene Faust möglich und so nahmen wir an einer 80 minütigen Führung teil. Erst ging es mit einem Highspeed Fahrstuhl in die Tiefe und dann noch durch eine Luftschleuse. Das war mal eine große verzweigte Höhle und fast überall waren die Felsen mit unterschiedlich geformten Kalzitkristallen bedeckt.


Eines der Highlights war eine Formation, die durch schräg von der Wand herunter laufendes Wasser entstanden war und die man hier Bacon (Frühstücksspeck) nannte.


Zurück im Tageslicht kamen wir auf unserem Weg noch am Mount Rushmore vorbei. Schon im Auto mussten wir beide anfangen zu lachen. Wat 'n Witz - Das Ding ist vielleicht klein! Also in den Filmen sah es echt viel riesiger aus.


Aufgrund dieser "Enttäuschung" und der Tatsache, dass man hier zum Parken 10$ hätte blechen müssen, haben die Fotos von der Straße völlig ausgereicht und so ging es nach einem kurzen Stopp weiter.
In Sioux Falls, dem letzten großen Ort an der I 90 vor der Grenze zu Minnesota haben wir uns am Abend einem Campingplatz gesucht. Nachdem wir die warme Dusche ausreichend genossen hatten, auch mal wieder die Wäsche gewaschen war, es etwas zu Essen gab und wir uns genug mit dem lahmen Internet geärgert hatten ging es erschöpft ins Bett.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Endlich wieder wandern

Unser dritter Tag im Yellowstone NP startete mit zugefrorenen Scheiben. In der Nacht war die Temperatur deutlich unter den Gefrierpunkt gefallen und so waren alle Scheiben des Autos mit Eiskristallen gefüllt.
Nachdem wir in die gut gekühlten Sachen gestiegen waren, mussten wir Wasser für Kaffee und heiße Schokolade holen und sahen das nächste zugefrorene Etwas: Der Wasserhahn hatte in der Nacht getropft und das umliegende Gras mit einer Eisschicht überzogen. In der morgendlichen Sonne sah das Ganze dann auch echt lustig aus.



Vom Frühstück bei Sonnenschein aufgewärmt ging es zunächst zu den Hot Springs. Dies sind heiße Quellen, die an einem Hang in selbst geformten Kaskaden hinablaufen. Die aktiven Quellen sind dabei wieder sehr bunt gefärbt gewesen und der aufsteigende Dampf gab im Sonnenschein ein wirklich phantastisches Motiv ab.

Blöd war nur, dass die Aktivität der Quellen sehr stark schwankt, teilweise sogar innerhalb eines Jahres. Wir hatten eine Zeit erwischt, wo nur wenige Quellen auch aktiv waren. Die anderen waren durch die weißen, aus Kalk bestehenden Treppen und Becken allerdings auch sehr sehenswert.

Besonders interessant war ein Becken, in das vor einiger Zeit Zweige von Nadelbäumen hineingeraten waren. Diese wurden mit der Zeit von Bakterien bedeckt und hatten mittlerweile lustige Formen angenommen: sie sahen aus wie dicke, bunte und verzweigte Würste.


Zurück am Auto packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg in die Wildnis. Für diesen Tag hatten wir uns vorgenommen, mal wieder ein wenig wandern zu gehen. Der erste sollte der "Beaver Ponds Trail" sein, welcher mit 8 km Länge für 3 Stunden veranschlagt war.


Der Weg zu den Beaver Ponds führte zunächst 110 m in die Höhe, an einem kleinen Bach entlang um dann über eine relativ Flache Ebene über Grasland und durch entlaubte Wälder zu den Teichen. Eine wirklich idyllische Ecke da. Vor allem die Teiche, welche leicht versteckt liegen, waren so ruhig und still, da hätte man auch länger verweilen können. Dafür war es aber nur in der Sonne warm genug und wir hatten ja noch einiges vor an diesem Tag. So ging es nach einer kurzen Verschnauf- und Essenspause weiter über Wiesen mit tollem Ausblick zurück zum Parkplatz.

Dabei kamen wir in Mammoth noch an einem Hotel vorbei, dessen gut gewässerte und saftig grünen Wiesen von einer Herde Wapitihirsche vereinnahmt wurde. Wobei es eigentlich nur ein Hirsch und eine ganze Menge Kühe waren. Diese ließen sich auch durch die Autos und Touristen nicht stören. Stattdessen wanderten sie im Laufe des Tages von einer Wiese zur nächsten, je nachdem wo es grad am angenehmsten war. So was kann auch nur in einem Nationalpark vorkommen. Die Touristen wurden nämlich die ganze Zeit durch einen oder mehrere Ranger (je nachdem ob sich die Tiere gerade auf der Straße oder weiter entfernt aufhielten) daran gehindert, den Tieren zu nahe zu kommen.

Zurück am Auto machten wir uns auf zum Trailhead unserer zweiten Wanderung des Tages. Auf dem Weg nahmen wir aber noch schnell ein Seitenstraße mit, die an den "Upper Hot Springs" entlang führte. nach einigen Fotostopps an den bunten Quellen ging es weiter zum Fuße des 2610 m hohen "Bunsen Peaks".


Vom Parkplatz aus schlängelte sich ein 3,4 km langer Weg bis zum Gipfel hinauf. Gut, dass wir Tags zuvor schon gut geübt hatten, in dieser Höhe Sport zu treiben und so waren die 396 m Höhenunterschied nur noch halb so anstrengend. Vorbei an toten und jungen Bäumen über Geröllfelder und Wiesen waren wir nach nur etwas mehr als einer Stunde am Gipfel angekommen. Dort machten wir erst einmal eine Verschaufpause um den wirklich gigantischen Ausblick zu genießen und ich wanderte noch ein Stück weiter zu einer Stelle, an der einige Amateurmäßige Steinstapel standen.

Bis vor dem Urlaub hielt ich ja nix vom Steine übereinanderstapeln, aber sowas hat dann doch den Ehrgeiz geweckt. Es war natürlich nicht schwer, etwas besseres zu basteln, als was da schon stand, aber an diesem tollen Fleck musste ich dann doch gleich mein Meisterstück (bis dato) abliefern. Steine lagen da zum Glück genug rum, der Gipfel bestand eigentlich vollständig aus Geröll. Nachdem der Stapel dokumentiert war, machten wir uns an den Abstieg, den wir dann auch nach einer dreiviertel Stunde geschafft hatten.



Die Zeit reichte dann sogar noch aus, um einen 10 Meilen-Abstecher nach Süden zu machen, wo der "Roaring Mountain" lag. Der war allerdings recht ruhig im Moment und so war anstatt einem Brüllen nur ein Zischen von einigen wenigen dampfenden Spalten zu vernehmen. Dennoch gab dieser nackte Felsabschnitt noch ein hübsches Bild zum Schluss des Tages ab. Der aufziehenden Kälte wegen machten wir uns nach ein paar Fotos aber wieder auf den Rückweg zum Campground um unseren verdienten Schlaf zu bekommen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

So ist das Leben eben!

Zum Frühstück hat es das Wetter noch gut mit uns gemeint, obwohl der Wind das Wasserkochen schon etwas erschwert hat. Dann fing es auf einmal richtig an zu regnen. Ja, Regen! Kein Schnee :(
So ging es erst einmal zu unserem ersten Ziel für diesen Tag, dem Norris Geyser Basin. Auf dem Weg dort hin haben wir einen Stopp bei den Artists Paintpots gemacht.


Zum Glück hatte der Regen inzwischen etwas nachgelassen und so konnten wir die Kameras auspacken um diese farbigen Bodenlöcher zu dokumentieren. Die Bilder kann man dann bestimmt besser genießen, wenn dieser Geruch nicht mit dabei ist ;). Nach einem weiteren Halt am "Steamboat Geyser" sind wir schließlich am geologisch aktivsten Gebiet des Yellowstone angekommen.
Durch dieses Gebiet zu laufen, war etwas surreal. Der ganze Qualm, die vom Feuer (1988) verschonten Baumreste und dann diese Bäume im Geysirgebiet.


Diese sind "gestorben", als sich im Jahre 2003 der Boden in der Nähe des Flusses für mehrere Wochen auf 95°C erhitzt hat. In dieser Höhe über dem Meeresboden liegt der Siedepunkt von Wasser unter diesem Wert. Die Wurzeln der Bäume wurden also gekocht - unvorstellbar, aber so ist ...!
Während eines längeren Smalltalks mit einem älteren Herren (ein pensionierter Geologielehrer), der laut seiner Aussage schon 600 mal in diesem Park war, konnten wir wieder einiges über das Land, die Leute und den Park erfahren und sind danach weiter in Richtung Canyon Village gefahren.
Auf dem Weg dort hin konnten wir noch einen Blick auf die Virginia Cascade werfen. Kein richtiger Wasserfall aber trotzdem toll zu sehen, wie solche Wassermassen einen schrägen Hang hinunter rasen.
Da das Wetter im Canyon Village gerade nicht so toll war, haben wir die dort zu sehenden Wasserfälle hinten angestellt und sind am Yellowstone River in Richtung See gefahren.
Auch auf dieser Strecke konnten wir trotz Regen nicht ohne Stopp am Sulphur Caldron und Mud Volcano vorbei fahren.
Da gab es unter anderem eine Höhle zu sehen. Aus dieser war ständig ein unheimliches Grollen zu hören und während unten dreckiges Wasser in Wellen heraus schwappte, stieg oben weißer Dampf in den Himmel. Der Name - Dragon Mouth - ist somit völlig gerechtfertigt.


Außerdem gab es hier auch mal einen großen "Geysir" zu sehen, aus dem kein Wasser, sondern Schlamm raus blubberte.


Dann kam die Sonne raus, aber wir konnten dennoch nicht den gesamten Trail ablaufen. Warum?! Naja, da war eine Herde Bisons, die neben dem Weg auf der Wiese lag. Ich finde diese Tiere zwar richtig toll, aber zu nah möchte ich einer Kuh mit Kalb dann auch nicht kommen.


Also ging es dann bei Sonnenschein weiter, ohne alles abgelaufen zu haben, aber so ist ...!

Auf einmal waren am Straßenrand ein paar Autos und ein Haufen (Hobby-)Fotographen. Obwohl wir, dank des netten Mannes, schon ahnen konnten, was es da zu sehen gibt, haben wir unser Auto auch am Straßenrand abgestellt und uns zur Masse gesellt.
Ein Bison, welches von einem Wolf belauert wurde.
Nachdem wir uns die Story auch noch von einer Frau, die das Geschehen seit zwei Stunden beobachtete, angehört hatten, konnten wir uns die größere Geschichte zusammenreimen. Also: das Ganze musste wohl schon ein oder zwei Tage andauern und an diesem Morgen hatte ein Mann gesehen, wie sich mehrere Wölfe auf das geschwächte Bison gestürzt hatten. Nun war nur noch der eine Wolf da um die Sache zu "überwachen" bis es mit dem Bison dem Ende entgegen geht. Das ist echt hart mit anzusehen, aber so ist das ...!

Nachdem wir uns weiter auf unseren Weg gemacht hatten, gab es eine riesige Herde auf der anderen Seite des Yellowstone River zu bestaunen und kurz danach gab es "Stau". Kein Autounfall! Nee, Bisons auf der Straße! Wie in den Alpen beim Almabtrieb, nur halt ohne "Aufsicht".


Also ich habe ja die ganze Zeit gehofft, wenigstens ein Bison zu Gesicht zu bekommen. Aber das es hier so viele gibt, hätte ich nicht gedacht.
Im Örtchen Fishing Bridge am Yellowstone Lake war auch schon alles auf Winter eingerichtet und so konnten wir an einem menschenleeren Strand den riesigen See begutachten.


Dann ging es wieder zurück in den Norden, an allen anderen "Attraktionen" nochmal vorbei, um im Canyon Village im Schatten der Bäume (es war ganz schön frisch ohne die Sonne) 328 Stufen hinab in die Felsenschlucht zu steigen.


Bei mir hat diese Treppe auf dem Weg nach unten schon ein wenig für Gummibeine gesorgt. Der Grund dafür war nicht etwa die Höhe, sondern die Tatsache, dass man den tiefen Abgrund durch die teilweise verbogenen (fragt mich bloß nicht von wem) Metallstufen wie bei einem Fußabtreter sehen konnte.

Am Ende angekommen ließ sich, mit festem Felsboden unter den Füßen der Blick auf die Lower Falls wirklich genießen und
neben den herunter stürzenden Wassermassen gab es auch den Canyon zu bestaunen.

Nach einem "Wettlauf" etwa 200 Stufen am Stück hinauf haben unsere Lungen schon ganz schön aus dem letzten Loch gepfiffen. (und wir haben uns auf dem Weg nach unten gefragt, warum die Leute so keuchen) Aber wenn man diese Art von Anstrengung bei so dünner Luft (wat 'n Höhentraining) nicht gewohnt ist, ist das auch kein Wunder. Wir waren dennoch stark genug den Hustenreiz zu unterdrücken und konnten einer freudig dem Abstieg entgegen gehenden Familie ein freundliches "Hi" entgegen hau(ch)en.
Weiter ging es auf die andere Seite des Flusses, um von hier aus zu dem Punkt zu laufen, an dem das Wasser in die Tiefe stürzt.


Das waren dann noch einmal 600 Fuß runter und wieder hinauf ;). Nachdem wir dann noch alles vom Lookout Point überblickt hatten, führte uns die Straße über den 2700 m hohen Dunraven Pass zum Tower Fall.


Den hatten wir uns etwas spektakulärer vorgestellt und so fuhren wir nach einem kurzem Fotostopp zum Campground in Mammoth Hot Springs.
Der sollte eigentlich Duschen haben. Hatte er aber nicht. So mussten wir nach der Registrierung noch fünf Meilen bis zum Ausgang des Parks fahren, um dann endlich - nach drei Tagen - in einem Waschsalon für 4$ ganze acht Minuten heißes Wasser aus der Wand auf den Kopf genießen zu können. Aber so ist das Leben eben.
Nach einem Abendbrot bei eisigen Temperaturen ging es erschöpft vom Tag und den vielen Eindrücken ab ins Bett.

Montag, 11. Oktober 2010

Dampfende Gewässer in bunten Löchern

Die erste Nacht im Yellowstone machte uns gleich klar, wie gut es war, sich mit winterlicher Kleidung einzudecken. Schon zum Kochen am Abend brauchten wir die Handschuhe. In der Nacht musste man sich dann auch gut im Schlafsack einpacken und zum Frühstück konnten wir uns noch nicht mal von der Sonne wärmen lassen, da wir im Wald waren und es zudem komplett bewölkt war.

Als das überstanden war und wir uns halbwegs an die Temperatur gewöhnt hatten, ging es erst einmal in Richtung des ersten Visitor Center, wobei wir davor von einem "Area closed" Schild gestoppt wurden. Alles geschlossen, niemand mehr unterwegs, aber dafür himmlische Ruhe. Der Parkplatz war zum Glück noch offen und so suchten wir uns ein paar Steckdosen zum Akkus Laden und sind dann zum "West Thumb" des Yellowstone Lakes gelaufen. Den Trail konnten wir allerdings auch nicht nutzen, da die erste Brücke ebenfalls gesperrt war. So ging es auf verlassenen Straßen das Stück bis zum Wasser.


Da es da nicht all zu viel zu sehen gab, sind wir weiter nach Norden zum "West Thumb Geyser Basin" gefahren, wo es die ersten dampfenden Quellen zu bestaunen gab. Aus zahlreichen mit heißem Wasser gefüllten Löchern stieg der Dampf in die kühle Luft auf. Ein komisches Gefühl, über einen Holzsteg zu wandern und direkt daneben kochendes Wasser aus dem Boden aufsteigen zu sehen. Den Steg durfte man auch nicht verlassen, da der Boden stellenweise nur aus einer dünnen Kruste bestand. Und bekanntlich ist es nicht so gesund, den Fuß mal in kochendes Wasser zu halten...


Und dann erst die Farben! Selbst bei bewölktem Himmel waren Farben von tiefem Blau bis zu dunklem Rot zu sehen. Großteils gebildet durch verschiedene Bakterienarten, die in dem heißen Wasser überleben können.
Der Dampf kann es einem aber auch recht schwer machen. Zum Einen riecht es durch den Schwefel nach faulen Eiern, was mich nicht sonderlich störte, Ron aber gar nicht ab konnte. Zum Anderen war es auch schwierig Bilder von den Quellen zu machen, ohne die kalten Kameras in der feuchtwarmen Luft komplett beschlagen zu lassen.



Da wir in dem vorhanden Material kaum Informationen zu Trails innerhalb des Parks bekommen hatten, war unser nächstes Ziel der große "Old Faithful" Geysir, wo auch noch ein Visitor Center geöffnet hatte. Dort angekommen, war ich schon wieder froh, nicht in der Hochsaison in diesen Park gekommen zu sein. Denn hier war noch einiges los, trotz dass der Winter vor der Tür stand.

Mit drei kleinen Zetteln, auf denen einige der vorhanden Trails eingezeichnet waren setzten wir uns zu den restlichen Touristen, um den Ausbruch des Old Faithful anzuschauen. Nach einer halben Stunde warten war es dann so weit: Dampf und Wassermassen, die aus einem Loch im Boden geschossen kamen. Allerdings hatten wir uns das Ganze etwas spektakulärer vorgestellt. Vielleicht lag es auch an dem bewölkten Himmel, denn weißer Dampf vor weißen Himmel war nicht sonderlich gut zu sehen...


Leicht ernüchtert von dem ganzen Trubel, der um diesen einen Geysir gemacht wird (der ist so etwas wie die Hauptattraktion des Parks) machten wir uns zu Fuß auf durch das umliegende Gebiet. Dieses ist von unzähligen sprudelnden, spritzenden, blubbernden und dampfenden Quellen in den verschiedensten Farben und Formen durchzogen, weshalb wir auch volle 2 Stunden darin verbrachten.




Damit neigte sich dieser Tag auch schon wieder so langsam seinem Ende entgegen und wir haben viel weniger gesehen als geplant und zugleich mehr als erwartet. Da der Park aber noch viel mehr zu bieten hatte, änderten wir unseren Plan abermals und legten einen Tag mehr für den Yellowstone NP ein.
Dadurch blieben uns bis zum nächsten Campground nur noch 26 km, auf welchen aber noch zahlreiche Geysire und Quellen lagen. Als nächstes nahmen wir noch das "Upper Geyser Basin" mit, welches mit weiteren unglaublich bunten Löchern gefüllt war. Unter Anderem gab es da auch den "Black Pearl Geyser", welcher aber gerade nicht aktiv war.



Als wir uns wieder zu Auto begaben, sahen wir auf der hinter dem Parkplatz liegenden Straße zwei dunkle, lebende Punkte. Die mussten wir uns natürlich genauer anschauen. Beim Näher kommen sahen wir dann was es war: zwei Bisons! Einfach so auf der Wiese stehend und grasend. Diese Riesen sehen echt gewaltig, kraftvoll und dennoch absolut ruhig aus. Und sie haben einen total flauschigen Kopf! Kraulen möchte ich sie aber dann doch nicht.


Nachdem wir sie ein paar Minuten beobachtet haben, ging es weiter zur "Grand Prismatic Spring". Dies ist die größte der Quellen im Yellowstone NP und sie enthält nahezu das gesamte Farbspektrum. Vom Parkplatz aus muss man erst einmal einen kleinen Hügel hinauf an dessen Seite heißes, dampfendes Wasser in den Gibbon River strömt. Durch die Bakterien hat sich ein total bunter Wasserfall Wasserfall gebildet. Von den vielen Farben der Quelle war allerdings nicht alles zu erkennen, da man nicht sehr nahe heran kommt und dadurch nicht sehr tief in das Wasser hinein blicken kann. Dennoch ist direkt daneben eine weitere große Quelle, deren hellblaue Wasserfläche mit dem Dampf und den Blasen wie ein riesiger Kochtopf erschien.



Unser letzter Stopp des Tages hieß "Firehole Lake Drive" mit der "Firehole Spring". In dieses etwa 3 m breite und mehrere Meter tiefe Loch konnte man ganz gut von oben hinein schauen und so konnten wir sehen, wie weiter unten Wasserdampf mit hohem Druck in das Becken gedrückt wurde. Dabei hörte sich das Ganze wie ein dumpfes Stampfen an, nach welchem die Blase auftauchte und wenige Sekunden später blubbernd zur Oberfläche stieg. Leider war das Stampfen so niederfrequent, dass es nicht von der Kamera aufgenommen werden konnte. Aber dennoch ist es ein cooler Anblick:


Den Ausbruch des "Great Fountain Geyser" verpassten wir nur um ein paar Minuten, dafür konnten wir uns aber den Ausbruch des White Dome Geysirs ansehen, welcher wie ein kleiner Vulkan geformt war und einen dünnen Strahl aus Wasser und Dampf mehrere Meter in die Höhe pustete.



Am Ende dieser Nebenstraße konnten wir dann weitere große Tiere beobachten: Wapitihirsche. Sie sind etwa so groß wie Elche, haben aber kein so flächiges Geweih.


Da das Tageslicht kaum mehr ausreichend war, um sich noch etwas anzuschauen, ging es mit einem letzten majestätischen Anblick des Hirsches weiter zum Madison Campground, Energie tanken für die nächsten Tage.